Geschichte

Die Geschichte des Usenet

Wie das Usenet von zwei Unix-Computern in North Carolina zur größten und ältesten Online-Community der Welt wurde.

Das Usenet ist mehr als ein Jahrzehnt älter als das World Wide Web. Es ist eines der ältesten und widerstandsfähigsten Kommunikationssysteme, die je geschaffen wurden – ein globales, dezentrales Netzwerk von News-Servern, das seit 1980 ununterbrochen Gespräche und Dateien zwischen Menschen überträgt. Dies ist die Geschichte, wie es entstand, wer es aufgebaut hat und wie es zu dem Netzwerk wurde, das es heute ist.

1979: Eine Alternative zum ARPANET wird geboren

Die Geschichte beginnt Ende 1979 an der Duke University in North Carolina. Zwei Doktoranden, Tom Truscott und Jim Ellis, suchten nach einer Möglichkeit, Unix-Systeme über Telefonleitungen miteinander kommunizieren zu lassen – eine Art Bulletin-Board-Netzwerk, das Informatikabteilungen miteinander verbinden konnte, ohne dass ein Zugang zum ARPANET erforderlich war, jenem vom US-Militär finanzierten Forschungsnetzwerk, das nur einer Handvoll Institutionen zur Verfügung stand. Bald schlossen sich ihnen Steve Bellovin an der University of North Carolina in Chapel Hill, der die ersten Prototyp-Skripte verfasste. Einige Monate später wurde die frühe Shell-Skript-Version von Stephen Daniel und Truscott in C als „A News“-Software neu geschrieben.

Es war eine bewusst bescheidene Idee: ein paar Unix-Server, zwei Telefonmodems und eine Möglichkeit, über Nacht einfache Textnachrichten auszutauschen. Doch der Zeitpunkt war perfekt, und das Konzept – dezentral, von Server zu Server, ohne zentrale Instanz – erwies sich als eine der widerstandsfähigsten Architekturen, die das Internet je gesehen hat.

1980: Usenet geht in Betrieb

Das Usenet ging 1980 offiziell an den Start und verband die Duke University und die UNC Chapel Hill. Am Ende des ersten Jahres waren etwa fünfzehn Sites im Netz und tauschten etwa zehn Nachrichten pro Tag aus. Im selben Jahr wurde das Projekt auf der USENIX-Konferenz vorgestellt, und innerhalb weniger Monate schlossen sich Sites anderer US-Universitäten an. Das Netz wuchs organisch, eine Telefonverbindung nach der anderen.

1981–1985: Explosives Wachstum

Als sich immer mehr Universitäten, Forschungslabore und frühe Computerfirmen (darunter AT&T, DEC und Bell Labs) anschlossen, wuchs das Datenvolumen im Usenet exponentiell. Bis 1985 gab es über 1,300 Websites Man tauschte Neuigkeiten aus, und das tägliche Nachrichtenaufkommen war auf Hunderte von Nachrichten angestiegen. Es kam neue Software auf den Markt, um diese Last zu bewältigen: „B News“ löste 1981 das ursprüngliche „A News“ ab und blieb fast ein Jahrzehnt lang das Arbeitspferd. Es entstanden Newsgroups zu allen möglichen Themen, von den Interna von Betriebssystemen bis hin zu Science-Fiction. Eine Kultur – Netiquette, FAQs, die Unterscheidung zwischen „Postern“ und „Lurkern“ – nahm Gestalt an.

1986: NNTP wird eingeführt

Das Usenet basierte ursprünglich auf dem UUCP Protokoll (Unix-to-Unix Copy), das Daten über Einwahlverbindungen übertrug. Als sich immer mehr Universitäten dem frühen Internet anschlossen, wurde dies zunehmend unpraktisch. Im Jahr 1986 veröffentlichten Brian Kantor und Phil Lapsley RFC 977, Wir stellen vor: Network News Transfer Protocol (NNTP). NNTP ermöglichte die Übertragung von News über TCP/IP – dasselbe Protokoll, auf dem das frühe Internet aufbaute –, sodass News nun mit Internetgeschwindigkeit übertragen werden konnten, anstatt auf den nächsten nächtlichen UUCP-Verbindungsaufbau warten zu müssen. Auch heute noch, mehr als 35 Jahre später, ist NNTP der Standard.

1987: Die große Umbenennung

Bis 1987 war der ursprüngliche flache Namensraum der Newsgroups chaotisch geworden. Ein Team von Administratoren unter der Leitung von Gene Spafford und Rick Adams strukturierte das Usenet neu und schuf eine übersichtliche Hierarchie mit sieben Kategorien der obersten Ebene: comp, misc, news, rec, sci, soc und talk. Dieses Ereignis wurde bekannt als das Große Umbenennung. Kurz darauf gründeten John Gilmore, Brian Reid und Gordon Moffett die berühmte alt.* Hierarchie – ein bewusst unmoderierter Zweig, in dem Newsgroups frei angelegt werden konnten, ohne das für die „Big Seven“ erforderliche Genehmigungsverfahren. Die alt.* Dieser Zweig entwickelte sich schnell zu einem der größten und vielfältigsten Bereiche des Usenet.

1993: Der „ewige September“

Während des größten Teils des ersten Jahrzehnts des Usenet kamen Neulinge in vorhersehbaren Wellen – meist im September, wenn die Studenten zum ersten Mal online gingen. Die Stammnutzer brachten ihnen über einige Wochen hinweg geduldig die Netiquette bei, und die Ordnung kehrte zurück. Das änderte sich im September 1993, als AOL seine Pforten öffnete und seinen Millionen von Abonnenten uneingeschränkten Zugang zum Usenet gewährte. Der Zustrom von Neulingen reißte nie ab. Langjährige Nutzer nannten es das Der ewige September — der Moment, als das Usenet aufhörte, eine kleine, überwiegend akademische Gemeinschaft zu sein, und Teil des breiteren Verbraucher-Internets wurde.

Die 1990er Jahre: Binärdateien und Indizierung

In den 90er Jahren vollzog sich zudem ein grundlegender Wandel hinsichtlich der Nutzung des Usenet. Ursprünglich war es ein reines Text-Diskussionsnetzwerk, doch dank Kodierungsverfahren wie uuencode und später yEnc. Die binären Hierarchien (vor allem alt.binaries.*) wurde enorm. Es folgten Such- und Abruf-Tools: Deja News 1995 als erstes großes webbasiertes Usenet-Archiv und als Suchmaschine gestartet, machte es die jahrzehntelange Geschichte der Newsgroups plötzlich durchsuchbar. Google übernahm Deja News im Jahr 2001 und wandelte das Archiv in Google Groups um, wodurch Usenet-Beiträge bis zurück ins Jahr 1981 erhalten blieben.

2000er Jahre: Web 2.0 vs. Usenet

Mit der Weiterentwicklung des Internets verlagerte sich ein Großteil des Diskussionsverkehrs aus dem Usenet in Webforen, Blogs und später in soziale Netzwerke – Plattformen mit benutzerfreundlicheren Oberflächen, aber zentralisierter Eigentümerschaft. Das Usenet starb nicht; es spezialisierte sich. Der binäre Bereich des Usenet wuchs weit über das hinaus, was sich die ursprünglichen Entwickler jemals vorgestellt hatten, angetrieben durch immer schnellere Internetverbindungen zu Hause und immer leistungsfähigere Newsreader-Clients. Kommerzielle Usenet-Anbieter investierten massiv in Speicherplatz, Redundanz und globale Infrastruktur und erhöhten die Retention von einer Handvoll Tagen in den 1980er Jahren auf Tausende von Tagen heute.

NZB-Dateien: die moderne Art, Inhalte zu finden

Um das Jahr 2002 herum tauchte ein neues Dateiformat auf: das NZB-Datei. Eine NZB-Datei ist im Grunde ein Verweis – eine kleine XML-Datei, die deinem Newsreader genau mitteilt, welche Artikel in welchen Newsgroups auf welchen Servern den von dir gewünschten Inhalt bilden. In Kombination mit Indexern (Suchmaschinen, die die Inhalte des Usenet katalogisieren) haben NZB-Dateien das Herunterladen aus dem Usenet erheblich vereinfacht. Moderne Newsreader wie SABnzbd und NZBGet können den gesamten Prozess von der Warteschlange bis zur fertigen Datei automatisieren.

Heute: Größer und schneller als je zuvor

Das moderne Usenet ist nach fast allen Maßstäben das leistungsfähigste, das es je gab:

  • Die Retention bei den meisten großen Anbietern beträgt mittlerweile mehr als 4.000+ Tage – das bedeutet, dass jeder Artikel über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren verfügbar bleibt.
  • Geschwindigkeiten erreichen bei einer einzigen Verbindung regelmäßig Gigabit-Geschwindigkeiten; viele Anbieter bieten ein wirklich unbegrenztes Download-Volumen an.
  • 100.000+ Newsgroups werden nach wie vor aktiv im weltweiten Netz verbreitet.
  • TLS/SSL-Verschlüsselung ist Standard und sorgt dafür, dass jede Verbindung zwischen dir und deinem Anbieter vertraulich bleibt.
  • Dezentralisierung bedeutet, dass es kein „Usenet-Hauptquartier“ gibt: kein einzelnes Unternehmen, keinen einzelnen Server, keinen einzigen Ausfallpunkt.

Fünfundvierzig Jahre, nachdem Truscott, Bellovin und Ellis zwei Unix-Rechner über eine Telefonleitung miteinander verbunden hatten, gibt es das Usenet immer noch – es ist älter als das World Wide Web, älter als E-Mails, wie die meisten Menschen sie kennen, und wird auch heute noch rege genutzt. Tom Truscott selbst soll sich Berichten zufolge immer noch regelmäßig einloggen.

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